Die Geschichte der Aitracher Feuerwehr
Eine erste schriftliche Aufzeichnung über das Feuerlöschwesen in Aitrach gibt es
aus dem Jahre 1803 aus der Feuerordnung der Schultheißerei Mooshausen, wie die
Gemeinde damals noch hieß. Darin ist vermerkt, wie die Feuerwehrmänner die Rößer
einspannten bezahlt werden sollten. In diesem Protokoll erfahren wir auch daß
einem Hufschmied der Bodenzins erlassen wurde,“ ... Deram Willen hat die
Gemeinde ihm den Bodenzins nachgesehen. Anno 1801 wo er jährlich an die Gemeinde
bis daher müssen 10 Kreuzer bezahlen...“, da er die Gerätschaften der Feuerwehr
versorgen musste.
Man kann also das Jahr 1801 als ersten Beleg für ein Feuerwehrwesen in Aitrach sehen.
Eine weitere schriftliche Aufzeichnung über das Feuerlöschwesen in Aitrach
stammt aus dem Jahre 1821. Hier steht, dass im Spritzenhaus Aitrach eine große
Feuerlöschspritze und ein 100 Fuß langer leinener Schlauch und in den Orten
Mooshausen, Aitrach, Breitenbach, Ferthofen, Rieden, Oberhausen, Marstetten,
Pfänders, Treherz, Wälderbauern, St. Johann, Rothengrund und Schmiddis genau
festgelegt, wie viel Feiereimer, Haken und Leitern vorhanden sein müssen.
Einen weiteren Beleg dafür, daß das Feuerlöschwesen in dieser Zeit schon Regelungen
unterworfen war, bildete die Festlegung der Fuhrlohntaxen und der Taxen
für die zu Fuß gehenden Boten sowie für die Feuerreiter. Für ein Pferd welches
den Feuerreiter trug oder das angespannte war gab es pro Kilometer Strecke mit
dem ersten Pferd am Versammlungsplatz 2 Gulden, für die Nachfolgenden wurden je
1 Gulden bezahlt.
Durch die im Oberamt Leutkirch seit 1880 geregelte Bezirksfeuerlöschordnung
wurde schon damals die Überlandhilfe geregelt. Es war festgelegt, welche Ge-
meinde im Brandfalle welcher Gemeinde zu helfen hatte, bzw. von wo Hilfe zu
erwarten war.
Aus dem Jahre 1880 stammt die erste namentliche Aufstellung der Feuerwehr in der
Gemeinde Mooshausen. Ihr gehörten 36 Mann an, aufgeteilt in Spritzenmannschaft,
Mannschaft der Feuerrotte und Rettungsmannschaft. 1888 erhielt die Gemeinde den
Namen Aitrach mit den Ortsteilen Mooshausen, Treherz, Oberhausen, Ferthofen,
Rank, Breitenbauch und Rieden (Die beiden letztgenannten gehören Seit 1933 zu
Aichstetten.). In jenem Jahr gab es bereits die ersten Baupläne für Änderungen
des Feuerwehrhauses in Mooshausen und für einen Neubau des Feuerwehrhauses in Aitrach.
Bis zur Einführung der Freiwilligen Feuerwehr war in Aitrach die Pflichtfeuer-
wehr für der Brandbekämpfung zuständig. Sie umfasste 1913 vier Rotten mit insgesamt
77 Mann, 1919 sechs Rotten mit insgesamt 86 Mann. Am 27. April 1928 wurde die be-
stehende Pflichtfeuerwehr in eine Freiwillige Feuerwehr umgewandelt. Sie zählte
92 Mann, aufgeteilt in sechs Rotten.
In Mooshausen und Treherz gab es noch zu Beginn der Dreißiger Jahre Pflicht-
wehren mit eigenem Kommandanten und Stellvertretern. Alle drei Wehren aus den
Teilorten stellten zusammen zu jener Zeit 168 Mann, eine Einmaligkeit in der
Mannschaftsstärke der Aitracher Feuerwehren.
Schon damals wurden Männer für langjährige Treue zur Feuerwehr ausgezeichnet.
Zugführer Eugen Igel erhielt 1932 das Verdienstkreuz des Württembergischen Lan-
desfeuerwehrverbandes für 40 Jahre Zugehörigkeit zu Feuerwehr.
Die Zeit des 2.Weltkrieges war für die Aitracher Wehr eine kritische Zeit,
mußten doch viele der Männer ins Feld ziehen. Aus diesem Zeitraum finden sich
aber auch erstmals Unterlagen die auf Werksfeuerwehren in der Papierfabirk und
im Kieswerk hinweisen.
Weitere Aufzeichnungen über das Feuerlöschwesen in Aitrach nach dem 2. Weltkrieg
beginnen ab 1957 mit der Wahl von Franz Spieß zum Kommandanten als Nachfolger
von Josef Frommeld sen.. Ab 1961 stand August Fischer der Aitracher Wehr vor,
die in den drei Teilorten Aitrach, Mooshausen und Treherz zusammen nur noch 35
Mann zählte. Bei jedem Einsatz stellte sich die Frage, womit den der aus dem
Jahre 1936 stammenden Anhänger gefahren werden sollte, mit einem Lkw oder mit
einer, nicht sehr gerade schnellen Zugmaschine.
1964 erwarb die Gemeinde Aitrach ein Löschfahrzeug der Marke „Opel Blitz“ LF 8.
Bei dessen Eintreffen wurde nach der Fahrzeugweihe gleich noch ein Fest
gefeiert, das 75 jährige Gründungsjubiläum. Nachdem der noch vorhandene
Spritzenwagen aus dem Jahre 1889 stammte, wurde dies als Gründungsjahr der
Feuerwehr Aitrach vermutet. Inzwischen wurden im Gemeindearchiv weitaus ältere
Unterlagen und Dokumente gefunden. Bei dem gewaltigen Hochwasser 1965 konnte das
neue Fahrzeug bereits seine Einsatzfähigkeit unter Beweis stellen.
Beim 1974 erstmals durchgeführten „Tag der offenen Tür“ wurden der Bevölkerung
Fahrzeug und Gerät, aber auch das in Eigenleistung im Feuerwehrhaus eingebaute
„Florianstübchen“ gezeigt.
Am 29 Juni 1979 konnte das bei der Firma Magirus in Ulm bestellte Tanklösch-
fahrzeug vom Typ TLF 8 , ausgerüstet mit Atemschutzgeräten, übernommen werden.
Seine Weihe erfolgte im September. Zuvor hatten die Männer der Feuerwehr in 400
freiwilligen Arbeitsstunden die von Frau Högele zur Verfügung gestellte Scheune
gegenüber dem Feuerwehrhaus in eine Feuerwehrgarage umgebaut. Schon ein Jahr
nach Übernahme des TLF 8 besuchten die ersten fünf Mönner einen Atemschutzlehr-
gang an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal.
Bereits 1981 wurde das alte LF 8, das inzwischen überholt war, durch ein neues LF 8,
bei der Firma Magirus in Ulm gekauft wurde, ersetzt. Der Festlichen Fahrzeugweihe folgte
eine große Schauübung.
Inzwischen hatte die Feuerwehr eine Mannschaftsstärke von 40 Mann erreicht, mit
drei Löschgruppen in Aitrach und eine in Mooshausen. Dort wurde 1982 das Feuer-
wehrhaus feierlich eingeweiht, das die Mooshausener Löschgruppe in Eigenleist-
ung errichtet hatte. Im selben Jahr fanden in Aitrach zum erstenmal Grundaus-
bildungslehrgänge „Truppmann“ und „Truppführer“ für alle Jungfeuerwehmänner
statt.
Am 05. Oktober 1985 wurde mit dem erstmaligen Erwerb des goldenen Leistungsab-
zeichens das lange und häufige üben mit Erfolg gekrönt. In diesem Jahr begann
auch die Zeit der stillen Alarmierung. Eine Antenne auf dem Schlauchturm und der
eigene Alarmumsetzter gewährleisten eine einwandfreien Funkverkehr mit der
Leitstelle in Ravensburg.
Nach 25 Jahren Dienst als Kommandant stellte sich August Fischer 1987 nicht
mehr zur Wiederwahl. Er wurde verbunden mit vielen Dankesworten und Glückwün-
schen, zum Ehrenkommandanten ernannt. Zum neuenFeuerwehrkommandanten wurde
Markus Sepp gewählt.
Das neue Führungsgremium hatte rasch anstehende und wichtige Aufgaben zu bewäl-
tigen. Im April 1988 konnte der schon lange gewünschte Rettungsspreizer in
Eigenarbeit in das TLF 8 eingebaut werden. Ebenso konnte 1988 ein VW-Bus als
MTW (Mannschaftstransportwagen) im Empfang genommen werden. Desweitern erhielt
die Feuerwehr weitere Alarmempfänger, so daß nun insgesamt 21 Feuerwehrmänner
mit einem „Piepser“ ausgerüstet sind. Auch begann man die alte Handdruckspritze,
von Magirus, aus dem Jahr 1889 zu restaurieren. Die Aitracher Bevölkerung konnte
an der Schauübung anlässlich der 1150 Jahrfeier der Gemeinde das restaurierte
Prachtstück in voller Funktion bewundern. Als nächstes stand die Planung für das
dringend benötigte neue Feuerwehrhaus in Aitrach an, nachdem die Gemeinde dafür
ein Grundstück erworben hatte.
Der Spatenstich für das neue Feuerwehrhaus erfolgte am 18. September 1989. Im
gleichen Jahr erhielt die Feuerwehr noch vier Handsprechfunkgeräte. Am 27. April
1990 konnte die Gemeinde zum Aufrichtschmaus laden.
Weiteres folgt.....
Ersteller der Chronik: Thomas Eisele Jfw-Aitrach
